Dominus vobiscum

Angefangen hat alles im Sommer '98, obwohl die Wurzeln dafür schon früher zu finden sind. Denn Geschichte ist seit über 30 Jahren mehr als nur ein Hobby für mich, und so konnte ich auch erfolgreich Frau und Sohn mit diesem Virus infizieren, zumal mit der jetzigen Darstellung eines thüringischen Ministerialen unseres Landgrafen im 13. Jahrhundert das Ausleben eines Hobbys wohl kaum effektiver zu bewerkstelligen geht. Wohl auch deshalb, weil es sich um keine fiktive Person handelt, sondern eine historisch belegte Persönlichkeit dieser Epoche (Friedrich II. von Treffurt, 1190-1243).

Auch wenn man mit "unserer" Burg, dem Normannstein, Sitz derer von Treffurt, aufgewachsen ist und sie buchstäblich jeden Tag vor Augen hat, besonders da in den vergangenen 7 Jahren große Anstrengungen und beachtliche Summen an Fördermitteln investiert wurden. Leider nicht immer zum unbedingten Vorteil der doch gut erhaltenen romanischen Anlage, welches auch nur dem glücklichen Umstand zuzuschreiben ist, dass selbige nicht zu Wohnzwecken als Schloss oder, weil strategisch unbedeutend geworden, zur Festung umgebaut wurde.

(Empfehlenswert nachlesbar, auch zur Geschichte der Herren von Treffurt, im Festbuch "900 Jahre Treffurt", welches von Annemarie Pfeil und Karl-Heinz Grimm hervorragend recherchiert und widergegeben ist.)

 

Unser erster Auftritt 1999   Memleben 2001
Unser erster Auftritt 1999   Memleben 2001

Also, wie wohl bei den meisten, haben wir uns erst auf Mittelaltermärkten und -festen umgesehen, das eine oder andere erworben, zuerst als Besucher, doch mit der Zeit mehr und mehr in Gewandung. Und plötzlich fällt einem auf, dass man auf Markt X und Fest Y doch demjenigen oder derjenigen wohl schon des öfteren begegnet ist- und kommt ins Gespräch. Dabei fällt wieder auf, dass es doch ziemlich schwierig ist mit "etablierten" Gruppen zu kommunizieren, aber es gibt auch andere, aufgeschlossenere. So unterhält man sich eben, hat noch eventuell dieselbe Epoche zur Darstellung gewählt und schon ist man mittendrin.

Nun muss ein Zelt her, Betten, Bänke, Truhen, Essgeschirr usw., aus 1 Schwert sind 5 geworden (von der anderen Bewaffnung wollen wir erst gar nicht anfangen), der Sohn hat nun auch sein eigenes Kettenhemd (und was dazugehört) und der Platz in der Wohnung wird immer weniger. Das Auto ist auch zu klein um alles notwendige ins nächste Lager zu bekommen. Man merkt dann schnell, dass Probleme auftauchen, die man sonst nicht kennt. Dafür wird man aber auch prompt entschädigt, wenn man ein paar Tage oder übers Wochenende mit Gleichgesinnten (bei großen Events und Lagern sind dies schon mal 700-800 Leute) zusammen dem gesamten Alltagsstress entfliehen kann, um sich ohne Strom, Zeitung und Laptop in eine Zeit vor 800 Jahren niederzulassen, zu entspannen, fit zu halten und auch zu feiern, was ab und zu sein muss.

 

Tilleda bei 40 °   Festumzug Falken 2004
Tilleda bei 40 °   Festumzug Falken 2004

Inzwischen kann man sich so ziemlich alles, von Trippen bis zur Gugel, vom Essmesser bis zum Zweihänder, vom Kegelzelt bis hin zum Zweimastpavillon im Internet bestellen. Doch es gibt, wie im wahren Leben, auch viel Schund. Man sollte vorher bedenken, welche Zeit und was für eine Person, vom Bauern über Geistliche bis zum Ritter (die Könige und Fürsten sind meistens alle besetzt) man darstellen möchte, vor allem auf den nötigen Aufwand bei Gewandung und Alltagsgegenständen achten; aufwändiger je höher die Person von Rang eingestuft ist, sich literarisch kundig machen und sich dann entscheiden. Außerdem kann man sich, was auch viel mehr Spaß macht, vieles selber anfertigen um die eigene Geldkatze zu schonen. Dabei ist es beachtlich, welche Techniken damals verwendet wurden und es bedarf manchmal viel Übung, diese zu verwirklichen. Auch ist der Austausch mit den anderen "Mittelalterlichen" interessant und man lernt Neues hinzu oder kann seine Erfahrungen an andere weitergeben.

Also, in diesem Sinne – Gehabt euch wohl !

Friedrich II. von Treffurt und Familie

Das Mittelalterfest 2004 anlässlich der 900-Jahr-Feier der Stadt Treffurt haben wir maßgeblich mitorganisiert. Fotos davon sehen Sie hier.

Mehr Informationen erhalten Sie bei Oliver Vogeley.

Und hier finden Sie weitere Fotos.

 

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